Wieder mal steht ein Review-Doppelpack
von zwei sehr unterschiedlichen Filmen an, die aber auch etwas gemeinsam haben:
hohe Qualität und Mark Ruffalo.
"Marvel’s The
Avengers" (OT: "Marvel’s The Avengers", 2012) – Nach den größtenteils
überschwänglichen Kritiken bin ich mit riesigen Erwartungen ins Kino gegangen
und in keinster Weise enttäuscht worden. Der Film brennt ein Feuerwerk an Witz
und fulminanter Action ab, das seinesgleichen sucht und für Comicfans eine Offenbarung ist. Als lästig empfand ich nur die permanente Gänsehaut, die einfach nicht
verschwinden wollte – kein Wunder, wenn sich auf der Leinwand ein epischer Moment
an den nächsten reiht. Joss Whedon hat tatsächlich das scheinbar Unmögliche geschafft
und den vielen verschiedenen Charakteren genug Screentime eingeräumt, um jeden
einzelnen von ihnen interessant zu machen, sogar den lahmen Captain America,
der seine Nische im Avengers-Team findet und somit durchaus eine
Daseinsberechtigung hat. Keiner der Superhelden kommt zu kurz, jeder hat seine
eigene kleine Geschichte, die geschickt mit der Haupthandlung verwoben ist. Dabei
stiehlt Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk allen die Show. Überhaupt schließt "Marvel’s The Avengers" wunderbar an die Prequels an und lässt auch jene, die
sie noch nicht gesehen haben, nicht im Stich. Die Effekte und Actionszenen
sehen in 3D schlichtweg sensationell aus (hätte nicht gedacht, dass ich als
3D-Verächter das mal schreibe), aber besonders die perfekte Mischung aus Spannung
und brillantem Humor, der klar Whedons Handschrift trägt, macht’s. Mein größter
und zugleich auch so gut wie einziger Kritikpunkt: Lokis Aliens wirkten auf mich
vergleichsweise austauschbar und wenig bedrohlich. Im Grunde sind sie nicht
mehr als Mittel zum Zweck, um die Avengers als Einheit zusammenzuschweißen und ordentlich
auf den Putz hauen zu lassen. Loki selbst ausdrücklich ausgenommen, denn Tom Hiddleston
knüpft nahtlos an seinen starken Auftritt in "Thor" an und gibt wieder einen
ungemein charismatischen Bösewicht ab. Andererseits war es bestimmt kein
unkluger Schachzug, sich noch Luft nach oben zu lassen und nicht jetzt schon
die gefährlichsten Gegner zu verbraten. "Marvel’s The Avengers" ist ein
Kinoerlebnis allererster Güte, von der ersten bis zur letzten Sekunde
unterhaltsam und ein echter Augenschmaus. Bei so vielen Superlativen wäre alles
unter 9,0 / 10 Punkten eine Frechheit.
"Shutter Island"
(OT: "Shutter Island", 2010) – Schon lange auf meiner To-See-Liste, jetzt
endlich abgehakt. Den letzten Schubs gab mir die 42. Ausgabe des Media Monday, bei der nach
unserer Meinung zu Filmen, die kurz vor Schluss alles bisher Gesehene über den
Haufen werfen, gefragt und "Shutter Island" gleich mehrfach als positives
Beispiel genannt wurde. Berechtigterweise, denn dessen Ende gehört – auch wenn
es sich ab einem bestimmten Punkt erahnen lässt – sicherlich zu den
schockierendsten und bestinszenierten Auflösungen, die mir in letzter Zeit
untergekommen sind. Ganz eindeutig ist es trotzdem nicht, was es nur noch reizvoller macht, da ich ohnehin eine Schwäche für Filme habe, die mehrere
Interpretationen erlauben und zum Mit- und Nachdenken anregen. Das tut dieser
hier ohne Frage und würde es vielleicht auch jetzt noch tun, hätte ich mir in
der Zwischenzeit nicht die fantastischen Avengers um die Ohren gehauen. Großen
Anteil daran haben die Darsteller, allen voran Leonardo DiCaprio, der in seiner "Inception"-ähnlichen Rolle voll und ganz aufgeht, Mark Ruffalo, der seine
Sache als ruhiger Gegenpol exzellent macht und sich mehr und mehr zu einem
meiner Favoriten mausert, und last but not least Ben Kingsley als undurchsichtiger Anstaltsleiter.
Mit seinen düsteren, modrigen Gemäuern, der rauen Insellandschaft und dem vor
der Haustür wütenden Sturm kreiert der Streifen eine beengende, intensive
Atmosphäre – wirklich sehr stimmungsvoll. Auf der Negativseite steht ein zuweilen
irritierender Score, der aus einem Horror-B-Movie entsprungen sein könnte und stellenweise
merkwürdig unpassend, fast schon übertrieben dramatisch klingt, so, als wolle
man mit aller Macht Spannung erzeugen, obwohl gerade rein gar nichts Spannendes
passiert. Zudem schleicht sich im Mittel- und Schlussteil die eine oder andere vermeidbare
Länge ein. Abgesehen davon ist "Shutter Island" aber durchweg fesselnd und hat sich üppige 8,0 / 10 Punkte verdient.