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Mittwoch, 1. Februar 2012

Aus keiner Macht erwächst keine Verantwortung

Endlich, endlich konnte ich gestern wieder einen Film auf meiner To-See-Liste abhaken. Es handelt sich um…

(OT: "Kick-Ass")
Action/Drama/Komödie, 2010
Regie: Matthew Vaughn

Ich hatte vorab schon einiges über diesen Film gehört: Dass er Tabus bräche, kein Blatt vor den Mund nähme und sehr explizite Gewaltdarstellungen enthalte. Und was soll ich sagen, er bricht Tabus, nimmt kein Blatt vor den Mund und enthält sehr explizite Gewaltdarstellungen. Doch den Film darauf festzunageln, wird ihm nicht ansatzweise gerecht, denn "Kick-Ass" ist noch viel, viel mehr: Eine stets glaubwürdige Coming-of-Age-Story der etwas anderen Art, eine gelungene Superheldensatire, die sich vor den Comic-Heroen in Gummianzügen verneigt anstatt sie durch den Kakao zu ziehen, ein knallhartes Revenge Movie ohne Rücksicht auf Verluste, eine fesselnde Mischung aus Drama und Komödie, die nahezu die ganze Palette an menschlichen Emotionen abdeckt. Kurzum, ein echtes Juwel. Aber der Reihe nach.

Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein für seine Mitschülerinnen unsichtbarer Durchschnittsteenager und Comic-Nerd. Ohne mit besonderen körperlichen oder intellektuellen Fähigkeiten gesegnet zu sein, beschließt er, seinen Idolen nachzueifern. Dazu schlüpft er in die Rolle des kostümierten Superhelden Kick-Ass. Sein erster Einsatz geht noch gründlich schief, doch im zweiten Anlauf wird Kick-Ass über Nacht zur Internetberühmtheit – und zieht die Aufmerksamkeit von Big Daddy (Nicolas Cage) und dessen Tochter Hit-Girl (Chloë Grace Moretz) auf sich. Einziges Ziel des kampferprobten Duos: Rache an Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong). Der wiederum sieht in Kick-Ass eine Gefahr für seine Geschäfte...

Der Film basiert auf den gleichnamigen Comics von Mark Millar. Inszeniert wurde er von Matthew Vaughn, der seit "Der Sternwanderer" (2007) einer meiner persönlichen Favoriten ist und diesen Eindruck zuletzt mit "X-Men: Erste Entscheidung" (2011) nachhaltig untermauert hat. Vaughn beweist hier einmal mehr, dass er zu den vielversprechendsten Filmemachern der Gegenwart zählt. Sein "Kick-Ass" ist wie eine frische Brise, unkonventionell, unangepasst – und hart, wirklich hart. Dessen sollte man sich bewusst sein, sonst könnte man sein blaues (oder vielmehr rotes) Wunder erleben. Für Zartbesaitete eignet sich dieser Film nämlich nicht unbedingt. Es spritzt reichlich Blut, Körperteile werden fröhlich abgetrennt, Leute brutal zusammengeschlagen, durchbohrt, zermatscht oder überfahren. Ob Gut oder Böse ist dabei zunächst einmal egal, beide Seiten müssen heftig einstecken, teilen jedoch auch kräftig aus. Die Grenzen des guten Geschmacks werden aber nur selten überschritten – ich denke da an ein, zwei spezielle Szenen, die bis zum bitteren Ende durchgezogen werden. Insgesamt ist die Freigabe ab 16 Jahren durchaus gerechtfertigt.

So blutig die Kämpfe auch ausfallen, so grandios und abwechslungsreich sind sie in Szene gesetzt. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass kaum ein Gefecht ohne Hit-Girl und ohne scheinbar übermächtige Gegnerhorden vonstatten geht. Und dennoch wird es nie eintönig, sieht keine der rasanten, zuweilen gar atemberaubenden Actioneinlagen aus wie die andere. Besonderes Highlight: Eine innovative Ego-Shooter-Sequenz, natürlich mit Hit-Girl und scheinbar übermächtigen Gegnerhorden. Allerdings geht es nicht nur visuell hoch her, auch inhaltlich ist der Film zum Teil richtig starker Tobak und gespickt mit ebenso tragischen wie bewegenden Momenten. Von seichter Unterhaltung kann hier also keine Rede sein. Gleichwohl kommen die humorigen Elemente nicht zu kurz, werden aber erfreulich subtil eingesetzt und in den Dienst der Geschichte gestellt. Amüsant: Die Einblicke in das skurrile Alltagsleben der Macreadys und die vielen cleveren Verweise auf Spider-Man & Co. (siehe etwa den Titel dieses Blogeintrags). Untermalt wird das Geschehen von John Murphys tollem Soundtrack, mal intensiv-treibend, mal episch-orchestral, immer passend. Darüber hinaus hat "Kick-Ass" eines der besten musikalischen Themen, die ich in letzter Zeit gehört habe ("Flying Home"). Einerseits fängt es perfekt die bittersüße Stimmung am Ende des Films ein, andererseits strahlt es pure Hoffnung aus – sehr hörenswert.

Die größte Stärke von "Kick-Ass" sind die vielschichtigen Charaktere und ihre Darsteller. Oder formulieren wir es präziser: Die größte Stärke von "Kick-Ass" ist Mindy Macready alias Hit-Girl. Ein kleines Mädchen, das sich zum Geburtstag Butterfly-Messer wünscht und ohne mit der Wimper zu zucken unter den Bösewichtern aufräumt? Irre! Ich behaupte, dass dies einer der coolsten Filmcharaktere überhaupt ist. Zu verdanken haben wir das vor allem der wunderbaren, der einzigartigen, der hochtalentierten Chloë Grace Moretz, die so mühelos zwischen der niedlichen Elfjährigen und der maskierten Martial-Arts-Expertin hin- und herwechselt. Mit einer unsagbar abgebrühten Vorstellung stiehlt sie allen die Show, noch dazu in einer völlig kinderuntypischen Rolle, die eigentlich gegen sämtliche moralische Normen verstößt und sicherlich nicht leicht zu spielen war. Umso höher ist ihre Leistung zu bewerten. Neben Moretz wissen aber auch die übrigen Akteure auf ganzer Linie zu überzeugen. Aaron Johnson, für mich bisher ein unbeschriebenes Blatt, legt als Dave Lizewski/Kick-Ass einen starken Auftritt hin. Seine Entwicklung vom blassen Teenie zum selbstbewussten Helden wirkt jederzeit glaubhaft. Der auf Fieslinge abonnierte Mark Strong macht seine Sache gewohnt gut, genauso wie Filmsohn Christopher Mintz-Plasse als Chris D’Amico/Red Mist. Dass ihm nerdige Charaktere liegen, ist bei Mintz-Plasse ja weithin bekannt, hier kann er jedoch noch ein wenig mehr von sich zeigen. Damon Macready, Hit-Girls Vater, wird von Nicolas Cage verkörpert, an dem es diesmal – oh Wunder – nichts auszusetzen gibt. Er spielt den leicht verschrobenen Waffennarr, der sich, wenn er mit seiner Tochter auf Verbrecherjagd geht, in den gnadenlosen Batman-Verschnitt Big Daddy verwandelt, angenehm zurückhaltend.

Fazit: "Kick-Ass" ist härter als Batman, Spider-Man, die X-Men und die Fantastic Four zusammen und ein rundum großartiger Film mit Feelgood-Garantie, fernab vom Mainstream. Da kommt es doch gelegen, dass er eine Fortsetzung ziemlich eindeutig in Aussicht stellt.

9,0 / 10 Punkte

Dienstag, 31. Januar 2012

So kann's weitergehen

Jetzt scheint es offiziell zu sein: Laut einem brandneuen Artikel von Deadline, der sich um die filmischen Zukunftspläne von 20th Century Fox dreht, wird Matthew Vaughn beim Sequel zu "X-Men: Erste Entscheidung" definitiv wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Und als ob diese Nachricht allein nicht schon erfreulich genug wäre, erfahren wir außerdem, dass auch Rupert Wyatt zurückkehrt und im Nachfolger von "Planet der Affen: Prevolution", dem zweiten Blockbuster-Hit 2011 aus dem Hause Fox, erneut das Zepter schwingt. Die Verträge mit den Erfolgsregisseuren sollen bereits unter Dach und Fach sein. Wenn ihr nun erleichtert aufatmet, willkommen im Club! Damit steigen die Chancen beträchtlich, dass zwei fantastische Filme des vergangenen Kinojahres zwei ebenso fantastische Fortsetzungen spendiert bekommen. Dass alle wichtigen Darsteller wieder mit von der Partie sein werden, gilt zumindest im Falle des nächsten "X-Men"-Teils als offenes Geheimnis. Schließlich hat sich Magneto Michael Fassbender schon so seine Gedanken gemacht, wie sich sein Charakter entwickeln könnte. Doch auch Andy Serkis wird es sich sicherlich nicht nehmen lassen, ein weiteres Mal in die Haut von Oberaffe Caesar zu schlüpfen. Bis es handfeste Informationen zu Cast, Handlung oder Starttermin beider Filme gibt, müssen wir uns aber noch ein Weilchen gedulden. Derzeit wird an den jeweiligen Drehbüchern geschraubt.

Dienstag, 29. November 2011

Mutanten- und Primatennachschlag

Da schlägt das Cineastenherz spontan höher: Offenbar sollen die diesjährigen Prequels "X-Men: Erste Entscheidung" und "Planet der Affen: Prevolution" nicht nur auf jeden Fall fortgesetzt, sondern ihre Nachfolger auch wieder von denselben Regisseuren verfilmt werden. Wie ComingSoon.net meldet, versucht 20th Century Fox, sowohl Matthew Vaughn als auch Rupert Wyatt erneut an Bord zu holen. Derzeit werkle man an den jeweiligen Drehbüchern, um ihnen damit eine Rückkehr schmackhaft zu machen.

Für mich sehr erfreuliche Nachrichten, da die beiden Filme meine (bisherigen) Kinohighlights 2011 sind und es mehr als verdient hätten, Fortsetzungen zu bekommen, die ihnen qualitativ gerecht werden. Die bewährten Leute auf den Regiestuhl zu setzen, wäre sicherlich ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Hoffen wir also, dass alles glatt geht und Fox genügend Überzeugungskraft aufbringt.