Samstag, 3. März 2012

Kurz und knackig, die 3.

Wieder einmal wollen zwei gesehene Filme rezensiert werden. Nett wie ich bin, erfülle ich ihnen diesen Wunsch natürlich gerne.

"In meinem Himmel" (OT: "The Lovely Bones", 2009) – Ganz ehrlich: Ich bin immer noch etwas unschlüssig, was ich hiervon halten soll. Es dauert lange – und ich meine laaange –, bis das Geschehen in Fahrt kommt, danach wechseln sich ein paar richtig intensive Phasen mit viel Leerlauf ab, den man damit überbrückt, auf die nächste dieser richtig intensiven Phasen zu warten. Die völlig übertriebene Gesamtlaufzeit von 135 Minuten hätte für meinen Geschmack ruhig um 15-20 Minuten gekürzt werden dürfen. Hoch anzurechnen ist Peter Jackson allerdings, dass er es uns erspart, mit aller Macht auf die Tränendrüse zu drücken. Gleichwohl hat der Film einen bewussten Hang zum Kitsch, vor allem in den Szenen, die in der CGI-lastigen Zwischenwelt von Leben und Tod spielen, die mit ihren quietschbunten Farben und surrealen Bildern zwar einen faszinierenden Gegensatz zur trist grau-braunen Welt der Lebenden bildet, darin aber auch extrem an "Hinter dem Horizont" erinnert – reiner Zufall?! Neu ist das also nicht mehr, schick sieht es trotzdem aus, schließlich haben wir es mit einem Jackson-Film zu tun. Man muss es jedoch mögen. Schauspielerisch ist bei "In meinem Himmel" alles in Butter: Neben der talentierten Saoirse Ronan, bei der mir jetzt allmählich klar wird, warum Peter Jackson in den höchsten Tönen von ihr schwärmt, glänzt besonders Stanley Tucci als widerlicher Kindermörder. Schade, dass seine Leistung so wenig Beachtung gefunden hat. Ein Grund dafür könnte freilich sein, dass sein Charakter sämtliche Serienkiller-Klischees erfüllt und insofern leider reichlich eindimensional daherkommt, auch wenn Tucci das Optimum aus ihm herausholt. Beileibe kein schlechter Film, aber nicht ganz rund, mit einigen Längen und einem für mich unbefriedigenden Schluss, daher sind 6,0 / 10 Punkte das höchste der Gefühle.

"The King’s Speech – Die Rede des Königs" (OT: "The King’s Speech", 2010) – Was für ein schöner Film! Nicht gerade ein spannender, das gebe ich zu, aber ein schöner. Und dies ist das erstaunlich simple Erfolgsrezept: Man nehme ein unverbrauchtes und dennoch hochinteressantes Thema, schreibe dazu ein geradliniges, feinfühliges Drehbuch ohne überflüssige Schnörkel, suche sich ein paar hervorragende Darsteller, die in der Lage sind, voll und ganz in ihren vielschichtigen Rollen aufzugehen, verrühre alles einmal kräftig und fertig ist er, der Oscargewinner. Na gut, ganz so leicht geht es dann wahrscheinlich doch nicht, aber im Prinzip sind das die Zutaten, die "The King’s Speech" auszeichnen. Der Film macht nämlich eine Menge richtig: Er verzichtet auf unnötige Nebenschauplätze, lässt die historischen Ereignisse nie zu dominant werden und konzentriert sich stattdessen auf das Wesentliche – König George VI., seine Sprachstörung und die Beziehung zu dem Mann, der sie therapieren soll. Dadurch bleibt alles schön im Fluss. Er gipfelt in einem mehr als würdigen Ende, das den Zuschauer mit einer angenehm positiven Grundstimmung in die Realität zurückkehren lässt. Und er hat mit einem Colin Firth, der so sensationell spielt, dass man ihm jede einzelne Emotion vom Gesicht abliest und die Höllenqualen teilt, die er beim holprigen Verlesen seiner Reden durchlebt, und einem grandiosen, ihm in nichts nachstehenden Geoffrey Rush zwei unheimlich starke Protagonisten, die fantastisch harmonieren. Bis dato war ich ja kein großer Fan von Firth, aber dieser Auftritt musste einfach mit einem Academy Award belohnt werden, gar keine Frage. "The King’s Speech" ist der beste Beweis dafür, dass weniger manchmal eben doch mehr ist, ein Motto, das Peter Jackson für "In meinem Himmel" vielleicht auch hätte beherzigen sollen. Allein dafür lasse ich famose 8,5 / 10 Punkte springen.

Kommentare:

  1. "In meinem Himmel" habe ich damals genauso bewertet, würde ihn mit Abstand aber noch einmal abwerten. Die Realszenen fand ich - besonders zu Beginn - wirklich exzellent und bedrückend. Die Himmelsszenen dagegen irgendwie ziemlich daneben. Das Ende war zudem eine Katastrophe.

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    1. Ich kann mir vorstellen, dass es mir früher oder später ähnlich geht. Gerade das verhunzte Ende war schon sehr enttäuschend und hat den Film ordentlich runtergezogen. Das kann Peter Jackson besser.

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  2. Ich fand die Saoirse Ronan in "Hanna" ja ziemlichst genial deshalb kommt Loveley Bones früher oder später um eine sichtung nicht herum

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    1. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fand sie hier recht beeindruckend und bin nicht zuletzt deshalb auf "Wer ist Hanna?" gespannt, den ich noch nicht gesehen habe.

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  3. Bei "The Lovely Bones" stimme ich dir vollkommen zu. Viel zu lang und dadurch sehr langweilig. Da hatte ich mir echt mehr von erwartet.

    Zu "The King's Speech"... da gehöre ich tatsächlich zu der Minderheit, die diesen Film für vollkommen überbewertet hält. Warum der so viele Oscars damals absahnte, kann ich bis heute nicht verstehen. Klar, Firth ist gut, aber nicht herausragend. Rush ist da um Welten besser. Aber die Story überzeugte mich mal so überhaupt nicht: vorhersehbar und dadurch für mich schnell langweilig.

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    1. Komisch, gerade ich als Firth-Skeptiker fand ihn in dem Film schon sehr beeindruckend und absolut oscarwürdig. Rush natürlich genauso, klar. Spannend und überraschend war die Handlung nicht unbedingt, aber für mich dann doch so frisch und interessant, dass sie mich bis zum Schluss begeistern konnte. Alles Ansichtssache ;)

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